Real-Life Gaming: Siem Reap und das 8. Weltwunder von Angkor

Nach der kurzen Erholungspause in Ubon ging es auf zum letzten Land unserer Reise: Kambodscha! Wir nahmen die ganzen positiven Erfahrungen der anderen Länder mit und freuten uns wieder auf fröhliche und freundliche Menschen. Der Grenzübergang verlief problemlos und wir zahlten wirklich den offiziellen Preis von 20$ für unser Visum (Yes, keine korrupten Offiziere ;D). Aber Moment mal, US Dollar in Kambodscha? Ja, es ist ein bisschen verwirrend, aber es kommt noch schlimmer :) Der Dollar ist hier wirklich die erste Währung, aber damit zahlt man nur Beträge über 1$ (also alles, was man mit Scheinen zahlen kann). Für den Rest benutzt man die eigene Währung Riel (die anfänglichen Fragezeichen wurden zwar mit der Zeit weniger aber verschwanden nie ganz ;).
Mit einem französischen Paar teilten wir uns ein Taxi von der Grenze nach Siem Reap. Für die ca. 3h Fahrt “einigten” wir uns auf 15$ pro Person. Der eine Mitfahrer konnte sogar ein bisschen Khmer sprechen (so nennt man sowohl die Sprache als auch die Leute in Kambodscha). Bei der Ankunft gab es eine etwas längere Diskussion mit dem Fahrer, der auf einmal mehr wollte als ausgemacht. Zum Glück half uns Hak, der Besitzer von unserem Guesthouse, und nach 10 Minuten Diskutieren zog der Gauner dann irgendwann ab. Zur Stadterkundung holten wir uns zwei Fahrräder (Roller leihen ist in Siem Reap für Ausländer verboten) und fuhren ins Zentrum, wo wir uns mit dem leckeren Khmer Gericht Fish Amok und einer Nudelsuppe stärkten. Auf dem Weg fiel uns auf, dass Kambodscha wohl das verschmutzteste Land war, das wir bis jetzt bereisten und dieser Eindruck bestätigte sich eigentlich nur als wir andere Flecken des Landes besuchten (siehe als Beispiel den “Kanal” neben dem frisches Huhn gegrillt wird). Später am Abend ließen wir es sich Anni noch mit einer Mani/Pediküre und Alex mit einer traditionellen Aromatherapie gut gehen und im Anschluss besuchten wir den Nachtmarkt.

All das lenkte uns aber nicht von unserem eigentlichen Ziel ab: Den Tempeln von Angkor! Das war definitiv ein Highlight unserer ganzen Südostasienreise, obwohl wir kaum glauben konnten, dass wir nach all den unzähligen Tempeln, Gebetsstätten und Wats in Thailand und Laos nicht langsam die Nase voll hatten :D
Um das Weltwunder im optimalen Licht zu betrachten, gehen viele Touristen schon ganz früh zum Tempel Angkor Wat, wenn die Sonne gerade aufgeht. Um bei dem Spektakel dabei zu sein buchten wir uns ein Tuk-Tuk für den ganzen Tag. Nur wegen der Aufregung und Vorfreude schafften wir es dann um 4:30 auf und fuhren um 5:00 zum Tempelkomplex. Es war Wahnsinn wie viele Menschen schon so früh auf den Beinen waren!! Nach dem Ticketkauf (mit eigenem Foto ;) liefen wir vom Tuk-Tuk-Stellplatz mit gefühlt 2000 anderen Menschen in der Dunkelheit zu Angkor Wat. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, wollte jeder ganz vorne mit dabei sein, um eines der wunderschönen Fotos zu schießen, bei dem sich der Tempel mit der aufgehenden Sonne im davor liegenden Wasserbecken spiegelt (wie es auf den ganzen Postkarten zu sehen ist ;) Wir müssen sagen, das lange Warten hat sich wirklich gelohnt! Das Zusammenspiel zwischen dem roten Himmel, dem gigantischen Tempel und der Spiegelung im Wasser ist phänomenal und so etwas haben wir vorher noch nie gesehen.

Aber unser Tag war noch la(aaaaa)nge und vor uns lagen noch viele Tempel. Als nächstes wurden wir zu Angkor Thom (“Große Hauptstadt”) gefahren, einem 9km2 großen Arial, das von einem 3m tiefen Graben und einer 8m hohen Mauer umgeben ist. Auf dem Weg zum Südtor empfingen uns auf der linken Seite 54 devas (Schutzgötter), die am Kopf der Schlange Shesha ziehen, und 54 asuras (Dämonengötter), die auf der rechten Seite an ihrem Schwanz ziehen. Durch diese Art “Tauziehen” sollen die Elemente und Kontinente entstanden sein (Jaja, wer’s glaubt :D). Vorbei an Elefanten und Äffchen gelangten wir zum Bayon Tempel direkt im Zentrum von Angkor Thom, bei dessen Besichtigung wir von 216 grinsenden Gesichtern angestarrt wurden (und ein paar Chinesen ;). Die Details an den Wänden, die ins Gestein an der Wand gemeißelt wurden, waren unglaublich eindrucksvoll!

Zum nächsten Tempel, Baphuon, gelangten wir über eine 200m lange “Brücke” (nicht mal 2m hoch und kein Wasser vorhanden :). Glücklicherweise wurden wir nach der Besteigung der extrem (!) steilen Treppen mit einem schönen Ausblick belohnt ;) Nach einem weiteren Tempel (Phimeanakas) und der Elefantenterrasse machten wir eine kurze Mittagspause bevor es mit unserem persönlichen Highlight weiterging.

Auf was wir uns ganz besonders freuten war der Ta Phrom Tempel, auch Tomb Raider Tempel genannt. Der Name kommt daher, dass Angelina Jolie hier Originalszenen zum Film Lara Croft: Tomb Raider gedreht hat. Dass sie in diesen heiligen Stätten überhaupt eine Dreherlaubnis bekommen hat, liegt daran, dass sie selbst wie eine Art Gottheit in Kambodscha verehrt wird. Sie hat zahlreiche Hilfsorganisationen gegründet und gefördert und besucht das Land regelmäßig, um zu sehen ob ihre Hilfe ankommt. Die Entscheidung hier einen Film zu drehen, ist beim Anblick des sehr speziellen Tempels wirklich nicht weit hergeholt. Das setting (die Umgebung) ist mystisch und die Bäume, die Teile des Tempels geradezu verschlingen findet man sonst nirgendwo in Angkor. Gepackt vom Tomb Raider Hype ließen wir es uns dann nicht nehmen selbst ein bisschen Lara Croft zu spielen :D

Insgesamt waren die Tempel echt atemberaubend und es ist kaum fassbar, dass die ganze Anlage allein von Menschenhand geschaffen wurde. Aber wie es immer so ist, nach 4 oder 5 Tempeln, sieht dann doch wieder alles gleich aus. Was bei einem Weltwunder noch dazu kommt, sind die gigantischen Menschenmassen, die ein wenig von der geheimnisvollen und besonderen Stimmung wegnehmen.

Nach dem Tempelabenteuer fuhren wir am Abend mit einem Nachtbus (Giant Ibis) zur Hauptstadt Phnom Penh, wo wir erfuhren welch grausamen Schicksal das Volk der Khmer hinter sich hatte…

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